Entstehungstheorie
Die Schmerzorte sind zu Beginn lokal begrenzt und gehen meist mit physischen und psychischen Überlastungen sowie durch Fehlhaltung bedingten muskulären Reaktionen einher.
Zu den physischen Überlastungen können u.a. monotone, sich immer wiederholende Arbeiten, wie z.B. sitzende Schreibtischarbeiten zählen. Psychosozialer Dauerstress, wie beispielsweise die aufopfernde Pflege eines Angehörigen, allgemeine Ängste oder auch eine andauernde Arbeitsüberlastung, verbunden mit perfektionistischer Ausführung, wären den psychischen Überlastungen zuzuordnen. Es ist davon auszugehen, dass diese andauernden Überlastungen ursächlich für die Schmerzentstehung und -chronifizierung sind. Wenn der Körper diesen Überforderungen dauerhaft ausgesetzt ist, entsteht ein Gewöhnungs- und Ausprägungsprozess, der letztendlich zu Disregulationen der stressreaktionssenkenden und schmerzhemmenden körperlichen Systeme führt. Hierdurch entsteht ein Überschuss an stressreaktionsfördernden Hormonen, wie z.B. ACTH und Cortisol und ein Mangel an schmerzdämpfenden Hormonen bzw. Neurotransmittern, wie z.B. Serotonin.
In der Folge findet sich u.a. eine erniedrigte Schmerzschwelle von 1,9 kg/cm2 gegenüber dem "normalen" Wert von 5,4 kg/cm2 (Bradley und Alacron, 1997).
Allgemein führen dauerhafte Stressbelastungen zu einer Schwächung der Immunabwehr und einer erhöhten Infektanfälligkeit. Eine schmerzbedingte muskuläre Schonung führt zu einer schmächtigen Muskulatur, die folglich weniger belastbar ist (Typ II-Faseratrophie). Konzentrations-, Wortfindungs- und Gedächtnisschwierigkeiten oder Stressunverträglichkeit, bedingt durch eine verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, reduzieren die Lebensqualität erheblich und fördern depressive Gedanken.
Die durch eine Fibromyalgie-Erkrankung hervorgerufenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, entwickeln sich schleichend über Jahre. Dementsprechend fällt es den Betroffenen meist schwer, die Symptome ihrer Erkrankung bis zur Ausprägung des vollen Krankheitsbildes mit generalisierten Schmerzen überhaupt einer bestimmten Krankheit zuzuordnen. Meist haben die Betroffenen eine Odyssee an vielen verschiedenen Arztbesuchen hinter sich, bevor die Symptome einer Fibromyalgie zugeordnet werden können. Darüber hinaus ist das Fibromyalgie-Syndrom vielen Menschen nicht bekannt. Tatsache ist, dass ca. 2,5 Mio. Bundesbürger, überwiegend Frauen, an FM leiden.



